Bayern startet mit dem Impfen

Ein kleiner Pieks – und der Spuk ist vorbei? Ganz so leicht wird auch der neue Impfstoff die Jahrhundert-Pandemie nicht zur Strecke bringen. Doch der Impfstoff gilt als Zeitenwende im Kampf gegen Corona.

Lange Monate galt er als Licht am Ende des langen Tunnels: Der Impfstoff gegen das Coronavirus. Jetzt ist er zugelassen, endlich auch in Europa. Schon in wenigen Tagen soll es in Bayern mit den ersten Nadelstichen losgehen. Doch wie kommt der Impfstoff vom Hersteller in die Oberarmmuskeln der Bayern? Viele Fragen sind noch offen.

Wann startet das Impfen gegen das Corona-Virus in Bayern?

Es wird am 27. Dezember losgehen. Bis dahin muss das in Deutschland für Impfangelegenheiten zuständige Paul-Ehrlich-Institut noch grünes Licht geben – allgemein wird das als Formsache angesehen. Am Sonntag nach Weihnachten werden in Bayern nach Auskunft des Gesundheitsministeriums 9750 Impfdosen zur Verfügung stehen. Zwei Tage später kommen weitere 97 000 Dosen an. Am 31. Dezember werden 107 000 Impfdosen erwartet. So soll es dann im Januar vermutlich wöchentlich weitergehen.

Wo wird als erstes geimpft?

In den ersten Tagen wird das Impfen weitestgehend in Alten- und Pflegeheimen stattfinden sowie in Krankenhäusern für deren Personal. Neben Heimbewohnern gehören auch die Bediensteten der Heime sowie Angehörige der Gesundheitsberufe, die etwa in Intensivstationen und Notaufnahmen tätig sind, zu den Ersten. Mobile Teams werden aus den Impfzentren ausrücken und die Impfungen vor Ort in den Einrichtungen vornehmen.

Und was ist mit den über 80-Jährigen, die zu Hause wohnen?

Sie gehören ebenfalls zur ersten Gruppe, kommen aber in den meisten Gegenden Bayerns erst im Januar zum Zuge. Die Landesregierung will diese Gruppe von Personen nach dem Jahreswechsel per Brief anschreiben und mit Informationen versorgen, wie und wo sie sich melden können, sagte Ministeriumssprecher Marcus da Gloria Martins. Eine Online-Plattform werde ebenfalls in den kommenden Tagen aktiv geschaltet. Martins gab aber zu bedenken, dass nicht jeder Rentner über 80 Jahren in der Lage ist, eine Online-Anmeldung durchzuführen. Deshalb werden in den einzelnen Landkreisen zusätzlich Telefon-Hotlines geschaltet. Einige Landkreise wollen versuchen, auch schon vom 27. Dezember an einige Termine frei in den Impfzentren zu vergeben. «Wir sind bereit und unser Impfzentrum bereitet sich darauf vor», sagte etwa eine Sprecherin des Landkreises Coburg. Allerdings hänge alles von der Frage ab, wie viel Impfstoff geliefert werde.

Nach welchem Verfahren wird der Impfstoff in Bayern verteilt?

Diese Frage ist noch offen. Es werde zumindest für die ersten beiden Lieferungen einen Verteilschlüssel geben, der wohl entsprechend der Bevölkerungszahl, möglicherweise auch nach dem Altersdurchschnitt der jeweiligen Bevölkerung und nach der Dichte von Pflegeheimen gestaltet sein dürfte. Die Impfdosen werden zunächst in bundesweit 40 Verteilzentren in Spezialtiefkühlschränken bei minus 70 Grad Celsius deponiert – die Orte sind aus Angst vor Anschlägen genauso geheim wie der Name des Logistikunternehmens, das den Impfstoff dann – angeblich unter Polizeischutz – in die 100 Impfzentren überall im Freistaat bringt. Dort können die Fläschchen dann noch eine begrenzte Zeit in normalen Medizinkühlschränken lagern, bevor sie verbraucht werden müssen.

Warum wird anfangs nicht mehr Impfstoff an die Impfzentren ausgeliefert?

Die Bundesregierung verteilt den Impfstoff entsprechend dem Bevölkerungsanteil an die Bundesländer. Am Anfang stehen nicht mehr als die knapp 10 000 Dosen für Bayern zur Verfügung. In den vergangenen Tagen waren Gerüchte über eine Bestell-Panne im Bundesgesundheitsministerium aufgekommen. Dies ist jedoch nicht bestätigt.

Wann wird ganz Bayern geimpft sein?

Vermutlich werden sich nicht alle Menschen impfen lassen und eine Impfpflicht wird es nach Aussagen aus der Politik keinesfalls geben. Aber die Prognosen gehen derzeit davon aus, dass Ende 2021 jeder, der das möchte, eine Impfung erhalten haben wird. Das setzt aber voraus, dass der Impfstoff in der bestellten Menge auch geliefert wird – nicht nur der jetzt zugelassene von Biontech/Pfizer, sondern auch der des Herstellers Moderna, der bisher noch keine Zulassung in der Europäischen Union hat.